Weg in die Finanzkrise 2008

1999: Niedrigzinspolitik in den USA, Überangebot an billigem Geld, Kredite für Eigenheime und Eigentumswohnungen auch an Kleinstverdiener, zu erwartende Wertsteigerung der Immobilien lässt Risiko zunächst gering erscheinen. Weiteres Risiko, Zinssteigerungen, lässt man ebenfalls vollkommen außer Acht. Anders als in Deutschland nur sehr kurzfristige Zinsfestschreibungen. 2000: Die amerikanischen Banken kreieren ein Konzept, um ihr Risiko an den Immobilienkrediten minimieren zu können: Sie bündeln sie zu gemischten Fonds und verkaufen die Anteile daran. Schützenhilfe leisten Ratingagenturen, die den Paketen sehr gute Zeugnisse ausstellen.

Dank der hohen Rendite findet das Angebot reißenden Absatz, auch bei Banken, Versicherungen und Investmentfonds in Europa, die die Pakete auch an Privatkunden weiterverkaufen. 2004: Die US-Notenbank (Federal Reserve) erhöht wegen der Inflationsgefahr ab Juni 2004 kontinuierlich die Leitzinsen. Damit aber setzt sie eine Kettenreaktion in Gang: Wegen der variablen Zinssätze steigen die Hypothekenzinsen unmittelbar mit. Quasi über Nacht sind viele Immobilienkäufer mit einer Zinsbelastung konfrontiert, die sie nicht mehr bezahlen können. Selbst Gutverdiener sind betroffen, die in Zeiten des Booms den vermeintlichen Wertgewinn ihrer Häuser für neue Kredite verpfändet haben. Es kommt zu einem dramatischen Anstieg der Zwangsversteigerungen und damit zu einem eklatanten Verfall des Marktwertes der Immobilien. Der Immobilienmarkt befindet sich bereits im Abschwung und bricht nun angesichts des Überangebotes völlig zusammen. 2007: Die Zahl der „Not leidenden Kredite“ steigt rasant an, Banken, Versicherungen und Investmentfonds sind gezwungen, hohe Verluste abzuschreiben.

Dutzende Baufinanzierer gehen in Konkurs. Mit dem Zusammenbruch der britischen Großbank Northern Rock schwappt die Welle nach Europa. In Deutschland gerät die Mittelstandsbank IKB in Schieflage. Binnen weniger Monate sind eine ganze Reihe bedeutender Banken betroffen: Bear Stearns, Lehman Brothers, und die Hypothekenbanken Fanny Mae und Freddie Mac. Inzwischen ist allen Beteiligten bewusst, wie riskant die Papiere sind, die sie erworben und mit denen sie gehandelt haben. Die Folge: Keine Bank traut mehr der anderen, selbst Tageskredite werden plötzlich verweigert. Die Notenbanken versuchen mit Milliardensummen den Geldkreislauf in Gang zu halten. Mai 2008: Spektakuläre Aufkäufe der Not leidenden Banken beruhigen die Finanzwelt nur für kurze Zeit. JP Morgan übernimmt Bear Stearns und Teile der Washington Mutual für einen symbolischen Preis. Die Bank of America kassiert Merrill Lynch. In Deutschland fällt z.B. die SachsenLB an die LBBW. Die Regierungen müssen in allen Fällen für viele Milliarden bürgen, damit die Geschäfte zustande kommen. Das unkalkulierbare Risiko ist damit jedoch noch nicht ausgeräumt. August 2008: Die Angst vor den unkalkulierbaren Risiken erfasst die Finanzmärkte weltweit. Ein Crash reiht sich an den anderen. Tagesverluste von mehr als fünf Prozent sind keine Ausnahme mehr. Der massive Wertverlust an den Börsen bringt auch bis dahin gesund erscheinende Banken in akute Finanznot. Die US-Regierung bringt ein Rettungspaket von 700 Mrd. Dollar auf den Weg, in Großbritannien sind es rund 300 Mrd. Pfund, in Deutschland rund 500 Mrd. Euro usw. Das Geld soll bereitgestellt werden, um „faule“ Kredite aufzukaufen und die lähmende Angst auf dem internationalen Finanzmarkt zu bannen. Die Europäer ziehen mit eigenen Initiativen nach: Berlin gibt eine Garantie für Spareinlagen, London beginnt Banken zu verstaatlichen usw. Auf einem EU-Gipfel werden die verschiedensten Maßnahmen beraten, um die Situation zu stabilisieren.